Portrait

Dirk Adomat – Der Herr der Bienen

Jedes Kind kennt Adomat. Zumindest ist das so in der Gemeinde, in der er lebt. Denn dort zeigt er seit 20 Jahren allen Grundschulkindern seine Bienenstöcke und erklärt, wie man Bienenvölker pflegt.

Für die Kinder ist das eine frühe Grenzerfahrung. Sie stehen plötzlich vor einem riesigen Schwarm Bienen, und jede einzelne könnte stechen. Könnte – denn Adomat weiß mit Bienen und mit Menschen umzugehen. So kommen alle wohlbehalten nach Hause. 

Man könnte meinen, Adomat wäre ein Öko-Idealist. Einer, der sich am Waldesrand in die Einsamkeit zurückzieht, seine Bienen pflegt und von dort aus krittelnd auf die Welt schaut. Aber Adomat ist anders. Adomat ist ein Pragmatiker durch und durch. „Ich mag meine Bienen, aber ich mache das auch für den Honig. Ich finde es nicht verwerflich, dass wir Menschen zuallererst die Natur nutzen.“ – So klingt keiner, der sich ständig über jede Veränderung beklagt.

WAS DAS RICHTIGE IST, KANN ADOMAT LEICHT ERKLÄREN

Adomat liebt die Veränderung. Darum will er auch in den Landtag gewählt werden. „Ich habe kein Problem mit dem Wandel. Ich will ihn gestalten, und ich will sicherstellen, dass wir das Richtige erhalten und das Richtige verändern.“ Was das Richtige ist, kann Adomat leicht erklären. Zum Beispiel die Hecken und Sträucher, in denen die Bienen Blüten finden, sollen erhalten bleiben. Oder die schöne Landschaft seiner Heimat. Aber auch der technische Fortschritt soll weitergehen. „Natürlich brauchen wir schnelles Internet in jedem Dorf. Natürlich brauchen wir neue Formen des Arbeitens. Aber wir müssen aufpassen, dass wir bei dieser Veränderung niemanden zurücklassen. Welche Gesellschaft kann es sich schon leisten, zehn Prozent ihrer Arbeitskräfte nicht mehr mitzunehmen?“ 

Logische Argumente auf der Basis von Zahlen und Fakten sind Adomat wichtig. Das merkt man schnell, wenn man mit ihm spricht. Er ist kein Sozialromantiker. Er ist ein Sozialdemokrat, der mit Geld umgehen kann und dabei nicht den Blick für die gesamte Gesellschaft verliert. 

„Ich bin Ruderer. Und als Ruderer weißt du, du brauchst jeden in deinem Boot. Wenn einer nicht mehr all seine Kraft einsetzt, dann verlierst du.“ Für Adomat funktioniert unsere Gesellschaft wie ein Team aus Ruderern in einem Boot. Deshalb ist er auch dafür, die Schwächsten immer mit zu fördern.

„Wir brauchen jeden, wirklich jeden. Das ist allein schon eine Frage des Verstandes. Wenn du es als Gesellschaft schaffst, auch die kleinste Kraft der Schwächsten produktiv werden zu lassen, dann hast du einen Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen.“

Adomat beobachtet das jeden Tag bei seinen Bienen. Es gibt Bienen, die fliegen los und bringen viel Nektar nach Hause, und andere weniger. Aber jede Biene bringt sich entsprechend ihren Kräften ein.

Politisch heißt das für Adomat zum Beispiel, dass Menschen mit Behinderung selbstverständlich inklusiv mit uns leben sollten. „Und wenn der Beitrag noch so klein ist, er macht uns stärker.“ Aber es heißt auch, dass Adomat will, dass jeder immer wieder eine neue Chance bekommt. Dass es die manchmal braucht, weiß er auch aus eigener Erfahrung.

MANCHMAL BRAUCHT MAN ALS JUNGER MENSCH EINE WEILE

„Die 8. Klasse musste ich wiederholen. Ich bin an Latein gescheitert. Ich war ein trotziger Teenager und hatte keinen Bock.“ Dass ausgerechnet Adomat, der so sehr der Logik verfallen ist, an Latein scheitert, hat einen einfachen Grund. In seiner Schulzeit interessiert er sich mehr für seine Hobbys als für das Vokabel-Lernen. Statt Abitur machte er den Realschulabschluss und ließ die Schule hinter sich. 
„Nach der Schule musste ich einen Beruf lernen. Und weil ich ein gutes Zahlenverständnis habe, lag für mich irgendwas mit Geld nahe.“ Er machte eine Ausbildung beim Steuerberater. Die Arbeit kam ihm eintönig vor, aber er war zufrieden. Bis er während der Arbeit einsah, wie viele Chancen sich bieten, wenn man eine bessere Schulbildung hat. Für den jungen Adomat schließlich ein Ansporn, seine Fachhochschulreife nachzumachen. 

„Manchmal braucht man als junger Mensch eine Weile, bis man kapiert, wie der Hase läuft. Darum ist es wichtig, dass wir auch denen, die länger brauchen, bis sie es kapieren, immer wieder eine Chance einräumen. Dass man immer sein Abitur nachmachen kann, immer nochmal etwas Neues lernen kann.“ Adomat will genau diese immer neuen Chancen in der Politik vorantreiben. „Die Technik ändert sich so schnell, durch den demografischen Wandel verändert sich unsere Gesellschaft. Da ist es nur logisch, dass jeder im Laufe eines Lebens mehrere Berufe lernen wird. Aber das muss man organisieren!“

Aus dem ehemals faulen Schüler ist heute der Amtsleiter beim Landkreis geworden, der ein bundesweit beachtetes Projekt der interkommunalen Zusammenarbeit koordiniert. „Hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Ging nur durch Bildung.“

Natur, Bildung und Wirtschaft sind die Themen, für die sich Adomat stark macht. Weil ohne den Erhalt und die verantwortungsvolle Nutzung der Natur keine Lebensgrundlage bleibt. Weil Bildung der Schlüssel zu allem in unserer Gesellschaft ist, und weil ohne wirtschaftlichen Erfolg unsere Gesellschaft nicht vorankommt. 

Zum Abschied schenkt Dirk Adomat mir zwei Gläser Honig. Er sagt: „Ist selbst gemacht.“

In den letzten Wochen und Monaten hat der SPD-Landesverband seinen Mitarbeiter Norman Ilsemann auf eine Reise geschickt. Eine Reise quer durch Niedersachsen, um die Landtagsabgeordneten und die Kandidatinnen und Kandidaten für den Landtag zu treffen und kennenzulernen. Sechzehn Persönlichkeiten, mit außergewöhnlichen und unterschiedlichsten Lebensläufen, die die SPD im Landtag vertreten oder nach dem 15. Oktober vertreten wollen, hat Norman getroffen. Und er hat Portraits über sie geschrieben. Zu jedem Portrait hat Willi Lemke außerdem einen persönlichen Kommentar geschrieben.

„Ich würde Dirk Adomat wählen, weil er für echte Chancengleichheit steht und jeden mit ins Boot holt.“

Willi Lemke